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Erzählperspektive

Stories von Why-Not

Erzählperspektive

Es gibt eine Reihe typischer Erzählperspektiven. Sie beschreiben den Blickwinkel, den der Erzähler (der nicht zwingend gleichbedeutend mit dem Autor ist) einnimmt. Die heute gebräuchlichste Form ist die “eingeschränkt-auktoriale” Perspektive. Je nach Inhalt der Geschichte können aber auch andere Formen angemessen sein. In jedem Fall sollte man vermeiden, die einmal gewählte Erzählperspektive in der Geschichte zu ändern.

Der Ich-Erzähler

Der Ich-Erzähler entwickelt seine Geschichte in der ersten Person. Dabei beschreibt er die Erlebnisse und Gefühle aus dem Blickwinkel einer Person, normalerweise der Hauptfigur.

... Lächelnd schlenderte ich die Straße entlang. Heute war ein schöner Tag. Und ich hatte mich den ganzen Tag auf diesen Spaziergang gefreut. ...

Diese Perspektive bietet sich für autobiographische Erzählungen an. Allerdings nötigt sie dem Leser die Identifikationsfigur auf. Wenn er sich nicht mit der Hauptfigur identifizieren will oder kann, wird ihm das Lesen schwerfallen.

Der auktoriale (allwissende) Erzähler

Der allwissende Erzähler kann nicht nur in jede Figur hineinsehen und über ihre Motivation und ihre Gefühle berichten, er kennt die ganze Handlung, hat eine eigene Meinung und läßt dies gelegentlich erkennen.

... Gegen den Rat ihrer Freundin traf sie sich erneut mit dem seltsamen, jungen Mann. Sie war viel zu aufgeregt, um vernünftig zu sein. Wenn sie gewußt hätte, welche Konsequenzen das für sie mit sich brachte, hätte sie bestimmt auf ihre Freundin gehört. ...

Diese Erzählperspektive war früher gebräuchlich. Sie verführt den Autor allerdings leicht dazu, die Spannung entweder plump durch Ankündigungen aufzubauen (siehe Beispiel) oder sie durch zu viele Einblicke in die handelnden Personen zu zerstören. Außerdem bekommt der Erzähler leicht den Habitus eines Besserwissers.

Der eingeschränkt-auktoriale Erzähler

Im Gegensatz zum allwissenden Erzähler schaut der eingeschränkt-auktoriale zu einer Zeit jeweils nur einer Figur “über die Schulter” und ins Innenleben. Er tritt nicht als eigenständige Erzählstimme in Erscheinung, sondern ersetzt Auge und Ohr des Lesers. Dabei kann er durchaus von Figur zu Figur wechseln, auch wenn dies nicht zu schnell passieren sollte, um den Leser nicht zu verwirren.

... Immer wieder schaute sie sich um. Verfolgte sie der geheimnisvolle Fremde noch immer? Vielleicht sollte sie in den nächsten Hauseingang flüchten. Beherzt rannte sie los. Würde sie ihn abhängen können? Sie wußte es nicht. ...

... Warum fing sie jetzt auch noch an zu rennen? Wie sollte er ihr denn ihren Schlüsselbund zurückgeben, den sie im Bus verloren hatte? Wenn er nicht so außer Atem gewesen wäre, hätte er ihr hinterhergerufen. Mit letzter Kraft legte er einen Spurt ein und schloß zu ihr auf. Als er sie überholte und ihr den Weg verstellte, starrte sie ihn panisch an. Mein Gott, dachte er erschreckt, sie hat ja Angst vor mir. Keuchend vor Anstrengung hielt er ihr ihren Schlüsselbund entgegen. ...

Dadurch, daß der eingeschränkt-auktoriale Erzähler nicht selbst Anteil nimmt, muß die Spannung in der Geschichte über offene Fragen in der Handlung selbst aufgeworfen werden.
 

Eine ausführlichere Abhandlung zu diesem Themas ist unter anderem hier zu finden.

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