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Plotstruktur

Stories von Why-Not

Lineare Standardstruktur eines Plots

Angeregt durch einen besuchten VHS-Kurs zum Entwurf von Geschichten möchte ich einige allgemeine Erkenntnisse zur Struktur von Handlungssträngen (Plots) weitergeben. Alle funktionierenden, längeren Geschichten folgen mehr oder weniger dieser Struktur, selbst die erste überlieferte Erzählung (Gilgamesch-Epos). Ich habe es für meine längeren Stories überprüft und war überrascht, daß ihre Handlungen tatsächlich diesen Aufbau hatten, obwohl ich in dem Kurs zum ersten Mal davon hörte. Da an dem Thema offenbar etwas dran ist - egal, ob es auch funktionierende Ausnahmen gibt - erläutere ich jetzt diese Struktur.

Zunächst aber eine ganz wichtige Klarstellung. Die folgende Struktur bezieht sich auf den Handlungsstrang (den Plot) und nicht auf die Erzählung. Der Handlungsstrang einer Geschichte ist immer linear. Die Geschehnisse laufen streng der Reihe nach ab. Wie sie hinterher erzählt werden, ob die fertige Story in der Mitte beginnt und sich dann in Rück- und Vorblenden dem Höhepunkt nähert, ist eine ganz andere Sache, die ebenfalls wesentlichen Einfluß auf die Spannung haben kann.

So, und jetzt endlich zu der Struktur:

Einleitung

  1. Protagonist in gewohnter Umgebung
  2. Auslösendes Ereignis / Problem
  3. erfolgloser Versuch, das Problem einfach zu lösen

Hauptteil (Variante 1)

  1. Erster Wendepunkt - einfache Lösung scheitert
  2. Problem steigert sich immer weiter
  3. Zentraler Wendepunkt - Prot bekommt einen Hebel, das Problem zu lösen
  4. allmählich nimmt die Lösung Gestalt an.

Hauptteil (Variante 2)

  1. Erster Wendepunkt - einfache Lösung scheitert
  2. allmählich nimmt die Lösung Gestalt an.
  3. Zentraler Wendepunkt - Prot vergeigt die Lösung
  4. Situation entgleitet dem Prot zunehmend

Schluß

  1. Dritter Wendepunkt - Problem spitzt sich dramatisch zu
  2. Krise / Zweifel, ob das angestrebte Ziel das richtige ist
  3. Showdown - endgültige Auflösung (gut oder schlecht)
  4. Konsequenzen für die Zukunft (sehr kurz)

Der Hauptteil (egal in welcher Variante) ist normalerweise deutlich länger als Einleitung und Schluß. Gerade die Punkte (5) und (7) bestehen gewöhnlich aus zahlreichen, die Spannung immer weiter steigernden Geschehnissen und Wendungen.

Ich spiele das mal kurz mit einem alten Hardboiled-Krimi (Typ: Sam Spade, Phillip Marlow) durch. Das geht besonders einfach, weil meist Plot und Erzählstruktur gleich sind.

  1. Der Privatdetektiv Sam Spade sitzt mit seinem (schmierigen) Partner in seinem schäbigen Büro und langweilt sich. Es wird mal wieder Zeit für einen neuen Auftrag, der Geld bringt
     
  2. Eine Femme Fatale betritt das Büro und will ihren untreuen Ehemann überwachen lassen.
     
  3. Sam Spade weigert sich, so einen Auftrag anzunehmen. Scheidungsvorbereitungen sind ihm zuwider.
     
  4. Sams Partner wird bei dem Auftrag ermordet. Sam fühlt sich verantwortlich dafür und beginnt nun doch mit den Ermittlungen, um seinen Partner zu rächen.
     
  5. Die Ermittlungen kommen nicht weiter. Sam erhält nur widersprüchliche Hinweise, wird bedroht und zusammengeschlagen.
     
  6. Die Femme Fatale liest ihn auf und flickt ihn wieder zusammen. Aus Trotz macht Sam erst recht weiter und geht noch aggressiver vor. Dabei erhält er einen entscheidenden Hinweis.
     
  7. Der wichtige Hinweis ermöglicht Sam, auch die bisherigen Erkenntnisse richtig einzuordnen. Die wahren Hintergründe nehmen allmählich Gestalt an. Entsprechend zielgerichtet geht er vor und findet immer mehr Teile des Puzzles. Gleichzeitig wird die Femme Fatale Sam gegenüber immer aufgeschlossener.
     
  8. Sam erhält den Hinweis, daß er mit seinen Ermittlungen die Femme Fatale, zu der er sich inzwischen widerwillig hingezogen fühlt, in akute Gefahr gebracht hat.
     
  9. Die Femme Fatale wird entführt und Sam versucht, sie zu befreien. Dabei gerät er selbst in Gefangenschaft und erkennt, daß sie in Wirklichkeit hinter allen Aktivitäten steckte und die Fäden gezogen hatte.
     
  10. Sam schafft es, sich zu befreien und liefert schweren Herzens die Femme Fatale der Polizei aus.
     
  11. Sam sitzt in seinem schäbigen Büro, sieht sich eine Zeitungsmeldung an, in der die Femme Fatale wegen mehrfachen Mordes zum Tode verurteilt wurde, murmelt "Scheiß' Weiber" und wirft die Zeitung weg. Es klopft an die Tür und eine in Tränen aufgelöste Dame bittet Sam um Hilfe. Ende.

Für einen richtigen Plot bräuchte man natürlich noch mehr Details darüber, was wirklich passiert, warum es passiert und wie es genau passiert. Also beispielsweise, warum die Femme Fatale einen Privatdetektiv beauftragt, um ihn später umzubringen.

Soweit zum grundsätzlichen Aufbau eines Plots. Wer an mehr Details interessiert ist, kann diese beispielsweise im Buch des Kursleiters nachlesen, dessen Kurs mich zu diesem Text inspiriert hat.

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